Shooter

Shooter


Unter dem Wort Shooter bzw. Ego-Shooter verstehen wir im Computerbereich Programme, bei denen man mit verschiedenen Waffen sticht, schießt, bombardiert oder die Gegner anders um die Ecke bringt. Immer wieder gab es Diskussionen in der Öffentlichkeit, ob diese Art von Spiel die Gewalt der Gesellschaft steigert oder senkt. Besonders in Deutschland wird ein Kult um diese Spielvariante betrieben und das Wort Zensur hat dort eine ganz besondere Bedeutung. Kaum ein Genre hat sich in den letzten 20 Jahren so weit entwickelt und die Hardware-industrie so stark vorangetrieben.

Folgende Punkte klassifizieren einen Shooter:

  • Für den Shooter bieten sich zwei Sichtweisen ganz besonders an: First-person-view (der Spieler sieht durch die 'Augen' der Computerfigur direkt die Umgebung und kann augenblicklich darauf reagieren) oder Third-person-view (die Kamera ist direkt hinter der Spielfigur 'montiert' und bewegt sich mit ihr mit).
  • Der Spieler hat ein Arsenal an Waffen zur Verfügung, welche meistens über die Zahlentasten (1-9) angesteuert werden. Die Munition für die Waffen wird im Verlaufe des Spieles gefunden, gekauft oder den Mitspielern abgenommen.
  • Gesteuert wird die Figur über die Tastatur (die alternativen Cursortasten 'A','S','D','W' haben sich für die linke Hand durchgesetzt) oder die Maus.
  • Die einzelnen Level eines Shooter sind durch aufwendige Zwischensequenzen (engl. Cutszenes) verbunden, welche den Handlungsrahmen abstecken und eine Geschichte vorantreiben.
  • Die meisten Shooter sind modular aufgebaut. Um eine 3D-Engine ranken sich verschiedene Bereiche, welche meistens durch Scripte definiert werden. Dadurch ist es möglich, Erweiterungen (engl. AddOn), Levels (engl. Mods von Module), Texturen (engl. Skins) und Sounds leicht einzubinden.
  • Shooter kennen viele verschiedene Spielvarianten, welche für Einzel- und Teamspiele oftmals sehr unterschiedlich ausfallen können. Einzelspiele sind meistens Aufgabengebunden (Quests und Subquests). Daneben können auch Spiele gegen Bots (= vom Computer gesteuerte menschenähnliche NPCs) angeboten werden. Im Teamspielbereich gibt es eine große Anzahl an Varianten: Capture the Flag (in der Basis jedes Teams steht eine Flagge welche, um Punktegewinn zu erzielen, in die eigene Basis transportiert werden muss), King of the Hill (ein Bereich auf der Karte wird von einem Team erobert und muss für eine gewisse Zeit gehalten werden), Ball (ein Spielball wird gleich einem futuristischen Football-Spiel durch die Spielfläche getragen und nach verschiedenen Regeln gepunktet), Slayer (direkter Kampf gegen Mitspieler einzeln oder im Team) und verschiedene Mischvarianten.

Das Töten von Feinden gibt es in vielen Computerspielen. Doch in keinem Genre ist die Realität so nah, der tatsächliche Vorgang der Tötung so lebendig. Das ruft immer wieder Kritiker auf den Plan und führt zu Entscheidungen, welche dann erst recht wieder diskutiert werden. In Deutschland gibt es die Zensur für brutale und gewaltverherrlichende Computerspiele, welche allerdings manchmal weit über das Ziel hinausschießt. Auch wird immer wieder unterstellt, dass sich besonders die großen Publisher geneigte Ohren und Augen der Zensurstelle 'kaufen' können, während die kleinen Produzenten machtlos der Obrigkeit gegenüber stehen. Zensur kann in diesem Fall bedeuten, dass ein Programm nicht offen angeboten werden darf, sondern – ähnlich den Porno-Erzeugnissen – nur an Stellen steht, wo Jugendliche keinen Zugang haben (entspricht einem Rating 'ab 18 Jahre'). Um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen, haben viele Hersteller eigentümliche Schritte zurückgelegt. So wurde schon das Blut von rot auf grün oder blau umgefärbt (die Originalidee stammt aus manchen Hollywoodfilmen z.b. Star Trek), als Gegner statt Menschen Maschinen verwendet oder einfach Zeichentrickelemente eingesetzt. Zusätzlich gibt es eine gewaltig große Händlerschaft, welche die Programme direkt in Amerika beziehen, wo traditionsgemäß derartige Probleme nicht herrschen. Der Verkauf über das Internet hat zusätzlich dafür gesorgt, dass Shooter nicht aufgehalten und auch über Landesgrenzen und Gesetzgebungen hinweg vertrieben werden können.


(Screenshot: Castle Wolfenstein)


(Screenshot: Doom 2)

Shooter gab es schon vor 1990, wenn auch nicht als 3D-Programme. Damals waren es meistens Arcade-Versionen (Spielhallenversionen), wo eine Figur mittels Joystick über den Schirm geführt wurde und möglichst viele Gegner zerstört werden mussten. Die Ansicht war zumeist TopDown (das Schlachtfeld scrollte vertikal von oben nach unten) oder manchmal isometrisch. Für den Heimcomputer machte besonders Castle Wolfenstein von sich reden (erste Version 1981 für den Apple II und dann in weiterer Folge 1982 Atari und 1983 Atari). Das Besondere an diesem Spiel war auch die erste Sprachausgabe der Computer-Geschichte.

Wenn die Geschichte der Rollenspiele mit Origin und Ultima verknüpft ist, so sind die Shooter allerdings untrennbar mit ID-Software verbunden. 1992 erschien Wolfenstein 3D (im selben Jahr Spear of Destiny mit minimalen Änderungen). Im gleichen Jahr erscheint Ultima Underground. Eigentlich ist es ein Fantasy-Ego-Shooter mit Rollenspielumgebung. 1993 kommt Doom auf den Markt. Dieser Endzeit-Ego-Shooter ist heute eine Legende. Es war auch das erste Spiel in Engine-Form mit konfigurierbaren Einstellungen. 1994 folgt Doom2 und die Fangemeinde stachelt sich im MOD-Bau immer weiter auf. Die Verbreitung der CD-ROMs führt dazu, dass die MODs der Fangemeinde haufenweise von kleineren Firmen vertrieben werden und eine kurze Zeit jeder Doom2 spielt. Gleichzeitig führt auch die stärkere Verbreitung der Netzwerke zu den ersten LAN-Parties. 1994 ist auch das Jahr von Heretic, dem ersten Fantasy-Shooter.


(Screenshot: Quake 1)


(Screenshot: Rainbow Six)

1996 kommt Quake und führt uns aus dem bunten Doom-Universum in eine düstere Endzeit-Umgebung. Der Meilenstein in diesem Produkt sind erstmals die verwendeten 3D-Modelle anstatt der Pixel-Grafiken der Vorgänger. 1997 sieht Hexen II (Fantasy-Shooter) mit der Quake-Engine und Quake2. 1999 kommt Quake3 und unterstützt erstmals so richtig das Multiplayerspiel. Ego-Shooter kommen so richtig in die Klatschspalten. 2001 kommt Return to Castle Wolfenstein. Das Spiel enttäuscht vor allem im Multiplayerbereich; allerdings ist der Kampagnenmodus für den Solospieler einzigartig und nahezu perfekt.

Daneben gibt es eine Menge anderer Hersteller und Programme, welche zwar immer wieder innovativ sind, doch die neuesten Impulse gingen bisher immer von ID-Soft aus. Zu nennen wäre da zum Beispiel die Unreal-Serie von GT Interactive. Zusätzlich gibt es zwei Haupttendenzen, welche sich von den eigentlichen Ego-Shootern abgespalten haben. Einerseits sind das die Kriegs-Ego-Shooter (z.B. Rainbox Six (Red Storm), Delta Force (Novalogic), ..) und andererseits Jump 'n Run-Spiele mit Ego-Shooter Schwerpunkten (z.B. Lara Croft (Eidos), Indiana Jones (LucasArts), Dark Project (Eidos), ..).


(Screenshot: Indiana Jones)


(Screenshot: Quake 3)

Im ersten Fall nützen die Hersteller die allgemeinen Kriegsängste und die verschiedenen zeitgenössischen Kriegsschauplätze, um möglichst viele Spieler zum Computer zu locken. Teamplay und realistische Szenarios sind ganz groß geschrieben. Im zweiten Fall werden klassische Elemente der Adventures mit Action gemischt, um dem Spieler ein filmreifes Erlebnis bieten zu können.

Zuletzt sollte man noch folgende Spiele erwähnen: Legends of Might and Magic (3DO, zur Zeit stabilster Fantasy-Shooter), Halo (Microsoft, epischer Science Fiction-Shooter für Spielkonsole und PC) und die Dark Forces bzw. Jedi Knight – Serie (filmreife Umsetzung von LucasArts).


(Screenshot: Legends of Might & Magic)


(Screenshot: Dark Forces)

Das 21.Jahrhundert sieht inzwischen im Ego-Shooter eine neue Sportart. Besonders im asiatischen Raum kann man als guter 3D-Ego-Shooter einige Preisgelder einstreichen. Bis dieser Trend allerdings zu einem neuen Job in Europa führen kann, wird noch einige Zeit vergehen.



(C) 2000,2004 by www.GateCentral.com - All rights reserved
copyright-statement

Another fine internet-product brought to you by TRIANGLE productions